Errare humanum est. - Irren ist menschlich.

Sonntag, Juli 29, 2007

Ich hatte einen Traum

Diese charismatische Aussage von Dr. Martin Luther King kennt jeder. Und sie hat einen Wandel in Amerika eingeleitet, der letztendlich zur Gleichberechtigung der Afroamerikaner führen wird. Führen wird, weil es immer noch rassistische Dinge gibt, obwohl alles schon sehr viel besser geworden ist. Warum ist diese Aussage so mächtig?

Eine kurze Antwort: Weil es eine mächtige Vision ist. Was sind Visionen? Wofür sind Visionen gut?

Alles großen Unternehmen, alle großen Veränderungen der Landkarte, alle großen Fortschritte in Wissenschaft und Forschung wurden erzielt, weil einzelne einer Vision folgten. Weil sie mehr arbeiteten, hartnäckiger ihre Ziele verfolgten als andere und weil sie an „Hirngespinste“ glaubten. So sehr daran glaubten, dass sie sich um nichts in der Welt von ihrer Vision ablenken ließen. Visionen sind der stärkste Motivator den ein Mensch haben kann. Oder anders: Ohne Vision, kein dauerhaftes Fortkommen, keine Erfüllung.

"Arbeiten bis ich das Rentenalter erreiche und dann von der Rente einen geruhsamen Lebensabend verbringen", ist keine Vision. "Einen Aperrat mit dem der Mensch durch die Lüfte segeln kann und Strecken über den Baumwipfeln zurücklegen kann, ohne das Strassen oder Pfade notwendig sind, zu bauen", das ist eine Vision. Aber eine Vision ist nicht nur ein Bild was man beschreibt. Eine Vision ist ein ganzheitliches Gefühl, welches von tief innen kommt, welches in einem wohnt, welches einem motiviert, anleitet und zum Handeln auffordert. Ständig, jeden Tag, direkt nach dem Aufstehen. Ohne Vision wird man nicht angetrieben, höchstens vom Chef.

Und wenn die Vision dann steht, wenn sie verinnerlicht ist, wenn sie in Fleisch und Blut übergegangen ist, wenn sie jeder Zelle deines Körpers manifestiert, wozu ist sie dann gut?

Wenn du vor einer Entscheidung stehst, wenn dir jemand ein Angebot macht, wenn du jemanden triffst, dann hilft die Vision. Wie ein Filter, eine innere Kompassnadel, wie eine ganze Unternehmensberatung. Alle Angebote werde einfach geprüft, ob sie helfen die Vision zu realisieren. Wenn ja, dann hörst du weiter zu, dann triffst du die Menschen, dann nimmst du das Angebot an. Wenn nein, dann verschwende keine Zeit und suche andere Angebote, treffe andere Menschen und entscheide dich gegen das Angebot. So einfach ist das. Ganz einfach.

Du brauchst nicht nachzudenken, was das alles für dich bedeuten kann, denn du weißt es intuitiv. Es hilft dir deine Vision zu verwirklichen oder nicht.
Du weißt es.
Und du erkennst auch sofort ob jeder deine Vision versteht. Wenn nur Angebote kommen, die nicht passen, dann ist das ein sicherer Indikator dafür, das du deine Wünsche nicht gut genug kommunizierst, das deine Vision nicht klar genug ist, das du nicht alles gibst. Nur wer brennt kann andere anzünden.

In diesem Fall prüfe, ob es deine Vision ist oder ob es womöglich die eines anderen Menschen ist. Das kommt häufiger vor als man denkt. Es kann die Vision deiner Eltern sein, deines Lebenspartner oder sonst von irgendjemanden, dem du imponieren willst oder der für dich wichtig ist. Dann brennst du nicht, dann flackerst du. Ein leichter Windhauch und das Feuer erlischt. Die Vision ist ein Auslaufmodel. Aus und vorbei. Leider ist das die Norm. Denn wer wirklich und wahrhaftig einer Vision folgt, kennt keine Aufgabe, kennt keine Alternative und ist bereit jeden Berg zu erklimmen.

Wenn man die Literatur und die Geschichte studiert, findet man, dass immer nur von Gewinnern die Rede ist. Die Verlierer kennt man nicht, warum sollte man dann über diese berichten. Jeder dieser Gewinner folgte einer Vision. Nur dadurch wurde er zum Gewinner. Weil er immer wusste, was er machen muss, wann er was machen musste und warum er es machte. Die Überzeugungskraft der Visionäre war stark genug um alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Visionen sind die stärkste Energieform, die wir Menschen auf diesem Planeten zur Verfügung haben. Das stimmt leider auch für zerstörerische Visionen, wenn man sich anschaut was Hitler „erreicht“ hat. Aber auch Teufel in Menschgestalt wie Hitler, Lenin und Konsorten sind nur deshalb so mächtig, weil sie einer Vision folgen, weil sie von Visionen getrieben sind. Nur dadurch können sie entscheiden, handeln und überzeugen. Mächtiger als alle anderen. Schneller als alle anderen. (Das gilt leider auch für alle fanatisch religiösen Menschen und religiöse Führer, die ich allesamt ebenfalls zu den zerstörerischen Visionären zähle.)

„Ich fühle mich dazu berufen“, ist ein anderer Ausdruck für „ich folge einer Vision“. Typischer Weise formulieren kienästhetische Menschen es so und visuelle Menschen folgen eben einer Vision.

Gibt es einen Unterscheid zwischen Zielen und Visionen?
Ganz sicher. Grundsätzlich kann man ein Ziel erreichen, eine Vision ist nie vollständig umgesetzt. Eine Vision ist immer nur zum Teil erreicht. Der Mensch kann fliegen und wenn man weiter an der Maschine entwickelt wird das Flugzeug sicherer, schneller und bequemer. Das Ziel ist erreicht, wenn man den ersten Baum überflogen hat. Menschen mit Zielen sind gegenüber denen ohne Ziele schon sehr stark. Menschen mit Visionen sind nicht zu stoppen. Das ist der Unterscheid zwischen einem Gründer und einem Manager. Eines der besten Beispiele ist Steve Jobs von Apple. Er ist ein Visionär. Alle die das Unternehmen in der Zeit während seiner „Zwangspause“ geleitet haben waren Manager. Einige gute, andere nicht so gute. Jobs ist ein Maniac, er ist von seiner Vision besessen. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich nicht von Hitler. Seine Vision ist nicht zerstörerisch und nicht böse, aber es ist die gleiche Energieform. Wie ein Messer mit dem ich Brot schneide oder jemanden verletzten kann. Wie die Atomkraft mit der ich Strom erzeugen kann oder Bomben bauen kann. Es ist die gleiche Energie und sie ist stark. Sehr stark.

Und er ist ein Despot, einer der hired und fired. Genau so wie viele andere, wie Donald Trump, wie Henry Ford und Werner Siemens. Diese Visionäre konnten und können handeln und entscheiden, weil sie immer einen Maßstab haben, der die Entscheidung leicht macht. Passt das Verhalten das Mitarbeiters zu meiner Vision? Unterstützt er die Vision? Kann er produktiv helfen die Vision zu verwirklichen? Wenn die Antwort „nein“ ist, dann auf zum nächsten, keine Zeit verschwenden, weiter auf dem Weg ohne sich ablenken zu lassen. Ohne Vision ist das nicht möglich. Wie kannst du entscheiden, ob jemand deine Vision unterstützt, wenn du keine hast? Woher weißt du ob deine Zeit sinnvoll eingesetzt ist, wenn du keinen Maßstab hast nach dem du dich richten kannst? Jemand der einer Vision folgt verschwendet keine Zeit. Selbst Umwege sind für ihn der Weg die Vision zu verwirklichen. Er ist immer auf dem Weg, immer auf der Suche nach der besten, nach der schnellsten Möglichkeit die Vision umzusetzen, immer, ständig. Jedes Ziel ist nur eine Etappe auf dem Weg, jedes Ziel wird nur erreicht, um als Einstieg für das nächste Ziel zu dienen. Ziele sind Zwischenschritte, um die Vision zu leben, um den Traum zu verwirklichen.

Und hier finden wir auch einen großen Unterscheid zwischen Zielen und Visionen. Ziele müssen wohlgeformt sein. Sie müssen wohl definiert sein, sie müssen quantiativ erreichbar und messbar sein. Je detaillierter ein Ziel ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es erreicht wird. Mein Gehalt wird zum 1.1.2008 auf 50.000 $ steigen. Sehr gutes Ziel. Du weißt am 2.1.2008 ob du es erreicht hast oder nicht. Hoffentlich hast du es erreicht. Ich wünsche es dir. Aber was dann? Großes schwarzes Loch? Auf die Rente warten? Klar, du kannst Ziele so groß anlegen, dass du sie nie erreichst und somit auch nie an den Rand des großen schwarzen Loches kommst. Aber dann bist du immer und nur frustriert, weil du nie ankommst. Und dann? Dann wirst du irgendwann einfach aufgeben. Ende. Das war’s. Geht nicht. Habe mich übernommen.

Anders die Vision. Sie wird nicht erreicht, sie wird gelebt, sie ist ein täglicher Begleiter, eine Richtschnur, ein Ratgeber, eine Leidenschaft. Ein Weg. Ein Weg, der mit Zielen gepflastert ist. Jedes Ziel ist ein kleiner Schritt beim umsetzen der Vision. Nach dem ersten erreichten Ziel ist das nächste in Sicht, automatisch, zwangsläufig. Nach dem zweiten das Dritte und es hört nie auf. Dann ist der Weg das Ziel und die Erfüllung.

Denk darüber nach. Lebe mit Leidenschaft!