Errare humanum est. - Irren ist menschlich.

Montag, Februar 19, 2007

Ein Mann von zweifelhaftem Charakter

„ Ich seh das anders, aber wenn Du das so siehst, ja, dann breche ich eben mein Wort“. Wie? Wie kann ich das anders sehen? Immerhin hat er am 19. Dezember unterschrieben, dass er auf Anforderung bis zu 250.000 EURO zahlt und im Gegenzug dafür 20 % der Firma übernimmt. Am 12. Februar des folgenden Jahres war immer noch kein Geld eingezahlt. Und nun will er nicht mehr. Wie? Wie soll ich das anders sehen?

Wir hatten ihn immer wieder aufgefordert das Geld zu senden, die erste Tranche wie vereinbart. Einen Vertrag haben wir eigens dafür von einem Anwalt vorbereiten lassen und ihm frühzeitig zugesandt. Und ich habe den Vertrag noch in einigen Punkten vom Anwalt zu seinen Gunsten ändern lassen, weil ich nicht will, irgendjemand benachteiligt wird. Fairness ist eben mein Ding. Stimmt schon, ich bin damit meistens auf die Schnauze gefallen, aber ich glaube eben immer noch an das Gute im Menschen.

Ja, ich habe persönlich mehrfach miterlebt, wie er Menschen belogen hat: von der Bühne runter und auch direkt ins Gesicht. Ich habe auch persönlich miterlebt, wie er Menschen, die ihm geholfen haben und für ihn da waren, hängen lies, sich nicht mehr um sie kümmerte und sie einfach mit ihren Problemen alleine gelassen hatte. Als er sie nicht mehr brauchte. All das habe ich nie als Wortbruch bewertet. Nur als sub-optimal. Wie dumm von mir.

Zuerst erzählte er mir am Telefon – eben an diesem 12. Februar – dass er ein großartiges Investment machen könne, wobei er aus jedem Dollar 10-15 machen können. Das hatten die Leute schon mal gemacht und er hat viele Millionen verdient. Ach ja, man muss natürlich wissen, dass der Mann viele Millionen verdient hat und sich nun mit seiner Freundin, die ja auch ca. 15 Jahre jünger ist als die Frau mit der er die Grundlage seines Vermögens geschaffen hat, eine Villa am Wörthersee bauen lässt. Wie hatte der doch geprahlt: 8 Millionen wird die kosten. Ich nehme mal an Euro. Was stark zu unterscheiden ist – siehe später.

Nun, er brauche jede Mark Liquidität um bei diesem Geschäfte einzusteigen und seine Kohle zu verzehnfachen. Es wäre kaufmännisch dumm das nicht zu machen und bei uns sein Geld zu bunkern. Hallo? Wenn wir nicht auch verzehnfachen wollten, hätte er sicher von Hause aus nicht mitgemacht.

„Ich kann Dir nicht folgen. Dann willst Du nach 6 Wochen, nachdem wir die Firma gegründet haben, Kosten entstanden sind und nachdem wir Verpflichtungen eingegangen sind, einfach so aussteigen? Ging das nicht etwas früher? Zum Beispiel bevor M. seine Kunden abgegeben und seine Firma geschlossen hatte um sich 100 % diesem Projekt zu widmen? Oder bevor wir das Ganze angeschoben haben, Anwälte am arbeiten sind, Leute unter Vertrag genommen wurden und so weiter?“

Er änderte nun seine Strategie. Abrupt. Scheinbar hatte er erkannt, dass sein Argument nicht wirklich zog. „Ich habe ein schlechtes Gefühl. Hatte ich gleich am Abend“ Aha. Warum dann nicht am nächsten Tag absagen? Feigling! Rückradloses Subjekt!

„Und Ihr habt mich über den Tisch gezogen. Ich habe es gehasst darüber zu diskutieren ob es nun Dollar oder Euro sind. Ich fühle mich ausgenutzt“ Nun, das nennt man erstens verhandeln und macht immerhin ca. 50.000 Dollar unterschied, was für uns jede Menge weiteres Überleben war und außerdem war von vorne herein über Euro gesprochen worden. Nur, weil es jetzt eine US Firma war und keine aus dem Euro-Raum sind es dann nicht plötzlich Dollar.

Oh sorry, der Wechselkurs. Aber hatte er uns nicht in seiner großspurigen Art genau an dem Tag etwas vorher erzählt, dass er sowieso schon ein Problem mit dem Wechselkurs hat? Ein 38 Millionen Dollar Problem? Der Arme bekommt nämlich Dollar ausgezahlt und wenn er die in Euro wechselt, dann sind das im Moment weniger Euro als Dollar. Doch halt. Ich verstehe. Die Hütte am Wörthersee kostet dann so was wie 10,23 Millionen Dollar. Aber das ist doch super: damit kann man doch noch viel besser prahlen!

Ja und dann störten ihn noch ein zwei weitere Kleinigkeiten, wobei er – gebe ich gerne zu – in einer Sache recht hatte. Aber das sind Verhandlungen. Wir haben diesen Punkt, nachdem er seine Bedenken geäußert hatte, sofort zurück gezogen und waren mit seinen Regeln einverstanden. Sehr zu unserem Nachteil. So ist das nun mal beim Verhandeln. Man verlangt das eine und bekommt das andere. Am Ende sind alle zufrieden und man unterschreibt. Dann gibt es manches Mal die Reue und dann ruft man in den nachfolgenden Tagen an und sagt: Sorry – wir müssen nach verhandeln. Ärgerlich, aber kein wirklicher Beinbruch.

Aber das ist wahrscheinlich nur von einem Menschen mit Charakter zu erwarten und wenn einer einen zweifelhaften hat, ich meine Charakter, tja dann, dann wartet man eben bis der „Partner“ Verpflichtungen eingegangen sind und zieht dann den Schwanz ein. Dann drückt man den „Partner“ so richtig an die Wand. Egal – man kann ja sein Geld bei einem anderen Deal verzehnfachen. Was soll´s. was interessiert ihn sein Wort.

Jetzt kommt es mir erst. Wenn einer so einen Charakter hat, dann macht er es immer wieder und vor allen Dingen, erwartet er dann auch, das die anderen so sind. Deshalb fühlt er sich über den Tisch gezogen. Er schließt einfach von sich auf andere. Verstehe. Was soll man da noch sagen? Ich zitiere einen meiner Partner: „Wir haben nun ein finanzielles Problem, er hat ein Karma Problem“. Die Kommentare der anderen Partner sind nicht so druckfähig.

PS: Er hat immerhin 50.000 eingezahlt. Dollar, was denn sonst. Schade, eine Skulptur in der neuen Wohnung weniger. Oder vielleicht doch nicht, denn wir werden erfolgreich sein und dann werden sich seine 50 vervielfältigen. Aber das ändert am Karma auch nichts mehr.

1 Comments:

  • ZITAT:
    "Ja, ich habe persönlich mehrfach miterlebt, wie er Menschen belogen hat: von der Bühne runter und auch direkt ins Gesicht. Ich habe auch persönlich miterlebt, wie er Menschen, die ihm geholfen haben und für ihn da waren, hängen lies, sich nicht mehr um sie kümmerte und sie einfach mit ihren Problemen alleine gelassen hatte. Als er sie nicht mehr brauchte"
    ZITATENDE.

    Ganz ehrlich? Wieso glaubtest Du, dass man dann noch ein sinnvolles Geschäft mit ihm machen konnte?

    Meine Erfahrung: Menschen ändern sich NIE. Sie legen sich höchstens ab und zu ein neues Image zu - und wandeln dieses bei Bedarf.
    gez. ein Freund

    By Anonymous Anonym, at 9:51 PM  

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