Errare humanum est. - Irren ist menschlich.

Donnerstag, Februar 01, 2007

Banken – Rekordgewinne und guter Service. Ein Oxymoron?

Was ist nur los mit den Banken? Innerhalb von 2 Wochen habe ich mit 3 Banken schlechte Erfahrungen gemacht und einen Hürdenlauf in USA miterlebt. Liegt es an 9/11 und an den Geldwäsche/Terrorgesetzen? An völlig unmotivierten und inkompetenten Mitarbeitern? Ich habe mich aufgeregt und nun dazu entschlossen diese Fälle zu dokumentieren. Zurück ins Mittelalter – der Kollaps der Systeme. Ich weiß gar nicht mit welcher Motivation man auf dieser Welt noch als Unternehmer aktiv werden soll. Ich spare mir jede weitere Kommentierung.

Fall 1 – eine deutsche Bank

Ich bin Gesellschafter einer so genannten BGB Gesellschaft. In der Natur der Sache liegt, dass jeder der Gesellschafter persönlich und unlimitiert haftet. Jeder kann ohne Zustimmung der anderen alles unterzeichnen und alle haften. Nicht so bei dieser deutschen Bank. Da haften zwar alle, aber unterzeichnen können nur alle zusammen. Zumindest bei der Eröffnung und bei der Schließung des Kontos. Im Betrieb kann jeder verfügen. Das überfordert das Personal inzwischen und dieses Personal ist dann auch noch unfreundlich UND inkompetent. Aber das wusste ich noch nicht wirklich bis zu jenem Tag – dem Tag, wo alles begann. Ich hatte die Unterschrift von allen dreien – eine jedoch nur per Fax, respektive pdf ausgedruckt. Dann bin ich zu meiner Filliale. Die haben sich schon mal für nicht zuständig erklärt.

Dann musste ich in die Innenstadt und bin am Schalter angestanden. Nach 15 Minuten (2 Schalter offen, 3 Figuren im „Backoffice“ die sich zu schaden waren Kunden zu bedienen = 15 Minuten Wartezeit) konnte ich dann mit meinen Papieren zur Bankerin am Schalter. Die kannte sich gar nicht aus und musste den Filialleiter fragen. Nach langem hin und her hat dieser dann die Kündigung angenommen. Dann fragte ich die „nette“ Dame ob sie den Restbetrag auf 3 Konten überweisen könne. „Das können Sie draußen – es war kalt da draußen – an unserem Service-Automaten gerne machen“, HÄ! Ich kann das an einem Service Automaten machen? Was ist das denn für ein Service? Ich meinte freundlich, dass Sie das doch bitte schnell in den Computer einträgt, der direkt vor Ihrer Nase steht. Ja, aber das kostet 7,50 Euro pro Überweisung! Das ist unverschämt, wenn nicht sogar sittenwidrig. Ich wollte sofort kündigen, doch halt: das ging ja nur, wenn ich das Konto leer mache. Aber nicht ganz, denn.... man staune und höre, natürlich kostet es Gebühren ein Konto zu schliessen! Moderate 4,95 Euro. Sie schob mir dann die alten Papierformulare hin, die könne ich doch ausfüllen und dann kostet das nur 2,50 pro Überweisung. Nun, dass war schon dreist, sehr dreist, aber immerhin ich hätte 15 Euro gespart, wenn ich der Sklave der Bank wäre. Die Bank ist für mich gestorben und ich werde das Konto kündigen. Shuut – das ging ja nicht, die hatten mich fest im Würgegriff.

Ich könne es ja per Internet machen. Gut, dann bin ich wieder ins Büro gefahren und habe es per Internet versucht. Ja, versucht, denn inzwischen hatte man die TAN Struktur geändert und ich hatte keine neuen TANs. Gut, dann per Brief. Den habe ich dann getippt, darauf hingewiesen, dass ich die Kündigung bei der Filiale abgegeben habe und nun nur noch per diesem Brief den Kontostand auf 3 folgende Konten überweisen lassen möchte – ungeachtet der Kosten, Hauptsache es ist endlich aufgelöst. Ich wäre sogar bereit gewesen den Saldo dem Vorstand zu schenken, wenn ich nur weiter gekommen wäre. Im Übrigen ist das glaube ich den Vorstand eh egal, Hauptsache er kann Rekordgewinnen ausweisen und mit erhobenen Fingern durch die Gegend laufen.

Nun gut, alles gut, wird schon wieder. Pustekuchen. Heute bekomme ich einen Brief von Service Center, dass die Überweisung nicht ausgeführt werden kann, weil 2 von 3 Unterschriften auf den Auftrag fehlen. 15 Minuten Telefonat mit den Filialleiter der zuständigen Filiale, den ich tatsächlich nach ca. 3 Minuten Wartezeit in der Warteschleife und weiteren 2 (gefühlte 10 Minuten) in der Verbindewarteschleife verbracht habe, hat er zugesagt, dass ich ihm das ganze Mal per Brief zusenden darf und dann sieht er mal, was er machen kann.

Ich meine, es geht ja um nichts – kündigen, geht gar nicht. Warten bis zum Ende des Monats, denn dann kann man erst einmal wieder Kontoführungsgebühren abzocken.

UPDATE 9.2.07 - mal sehen was passiert? Der Brief, adressiert an den Fillialleiter der Bank wurde offensichtlich zum Service-Centrum nach Leipzig weiter geleitet und dort geöffnet. Dann wieder anders zusammengefaltet so dass meine Adresse wieder im Sichtfenster erschien und ....... ist heute bei mir wieder angekommen!!! Ich habe überlegt ob ich ihn nicht wieder wegsende und warte bis er wiederkommt. Buchbinder Wanninger lässt grüßen.

Zu guter letzt bin ich dann wieder in die Innenstadtfiliale gefahren und - Gott sein Dank - der Fillialleiter war im Urlaub und - Gott sei Dank - der stellvertretende Fillialleiter war auch in Urlaub. Also musste ich - Gott sei Dank - mit einer jungen und sehr engagierten Stellvertreterin des Stellvertreters gesprochen, die sich drum kümmern. Ich glaube ihr und drücke ihr die Daumen. END OF UPDATE

Aber – es bleib ja nicht bei dem einen Fall

Fall 2

Ich habe in Luxemburg für eine Firma eine Kapitalerhöhung notariell beurkundet und mit der Urkunde eine Überweisungsanweisung an eine andere deutsche Großbank gefaxt. Dort war die so genannte IBAN für das Luxemburger Zielkonto angegeben. Diesen Vorgang hatte ich mit einer Privatbank schon ein paar Mal durchexerziert und es gab nie Probleme.

Auf der Rückfahrt rief die Bankerin der Großbank an: „Müller, private banking xyz Bank. Ich will Ihnen das Geld überweisen, benötige aber noch die BIC oder den SWIFT Code.“
„Hmmm, wenn ich einen BIC Code benötigen würde, dann würde ich meine Bank anrufen oder im Internet nachschauen“
„Wo denn in Internet?“ – Hmmmm, ist das die Fleischereifachverkäuferin dran oder der Möbelpacker, der seiner Tante im Ausland 200 Euro zukommen lassen möchte?? Oh nein, es ist ja eine Bankerin, aus der Abteilung private banking. Das ist oft die Stelle, die dein Geld nimmt um es zu mehren. Klar, die kann das ja nicht wissen. Und dann sprach der Schalk aus mir: „ Sie können aber auch bei einem Kollegen (Mitbewerber) nachfragen, der das schon gemacht hat, bei der Privatbank“ Mädel, bitte nicht, das ist ein Mitbewerber und wenn du das machst, dann ist das peinlich, PEINLICH!

„Oh, können Sie mir denn bitte die Nummer von diesem Herren geben“ – Was war das denn? Faulheit oder Inkompetenz? Dummheit oder Arroganz? Egal was das war, ich würde keinen roten Pfennig dieser Bank anvertrauen. (Das Geld ist übrigens noch nicht angekommen aber beim Absender schon belastet. Vielleicht ist die gar nicht so dämlich gewesen und hat das Geld auf ihr Konto in der Karibik überwiesen und ist schon in der Luft? Das würde mir dann doch Respekt abverlangen).

UPDATE 9.2.07 - das Geld ist da. Die private Bank brauchte 24 Stunden, die Großbank immerhin 10 Tage. END OF UPDATE

Und wenn Du dann denkst, das war der Hammer, dann kommt der Ober-Hammer:

Fall 3

„Hören Sie, ich habe ihnen gesagt, dass ich das Geld nicht annehme. Senden Sie es zu ihrer anderen Luxemburger Bank und dann zu mir.“
„Oh Verzeihung, ich wollte nur Geld auf mein Konto senden, was bei Ihrer Bank geführt wird.“
„Ich will das nicht haben, das hatte ich Ihnen beim letzten Mal schon gesagt“.

Beim letzten Mal? Ja, stimmt, er wollte, musste wissen wo es herkommt. Geldwäsche Gesetz und so weiter. Klar, dass kann ich verstehen.

„Ich veranlasse den Notar Ihnen eine Kopie der Urkunden zukommen zu lassen, dann haben Sie einen Beleg das das Geld sauber ist“
„Nein, ich will das nicht, das ist mir viel zu viel Arbeit. Ich habe anders zu tun als das alles zu dokumentieren!“


Tja, der Banker, also dieser spezielle Angestellte einer Luxemburger Großbank hat besseres zu tun als Geld auf einem Kundenkonto anzunehmen und den Kunden zu betreuen und an ihm zu verdienen. Was bitte hat er den zu tun? Ist seine Bank in einen Skandal verwickelt und ist er gerade dabei Unterlagen zu schreddern? Huh, so schlimm wird es hoffentlich nicht sein, denn dann müsste ich schnell das Konto auflösen. Doch halt; das geht ja auch nicht so einfach – siehe Fall 1

Fall 4

Mein Partner hat eine Firma in USA eröffnet. Hat ein Anwalt gemacht und das ging vom Prinzip schnell und standardisiert. Probleme entstanden dann nur, weil es ein paar besondere Wünsche gab und der Anwalt seine Textbausteine nicht verwenden konnte. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Die Firma besteht, mein Freund ist der CEO, also Geschäftsführer und will ein Konto eröffnen.

Achtung, neuer Sachverhalt. Bisher hatten wir: Überweisung auf andere Konten, Schließung eines Kontos und Überweisungen eingehend auf ein eigenes Konto. Jetzt: Kontoeröffnung.

Es ist eine komplizierte Sache und eine Woche hatte mein Freund die Wahl zwischen kein Konto oder Ärger mit der Einwanderungsbehörde. Also entweder die Bank belügen oder die Einwanderungsbehörde. Gott sei Dank hat sich das gelöst, denn nach 20 Mal nachfragen konnte der Anwalt doch eine Lösung anbieten. Es gibt Agenturen, die genau das machen, was mein Freund braucht. Andere Länder, andere Sitten.