Errare humanum est. - Irren ist menschlich.

Mittwoch, Januar 31, 2007

Basisdemokratie ante portas?

Ich habe gerade einen interessanten Satz in dem Buch „Wir nennen es Arbeit“ gelesen. Sinngemäß stand da, dass sich durch die Demokratisierung der Produktionsmittel die Welt ändern wird. Was ist denn damit gemeint? Nun, es gibt inzwischen Menschen – in diesem Falle meist kleine Firmen – die einen 3 D Plotter besitzen, der in der Lage ist, aus einer Datei ein 3-dimensionales Werkstück aufzubauen. Es gibt verschiedene Techniken so etwas zu machen. Das Ganze fällt auch ein bisschen in die Kategorie des so genannten „personal fabricators“. Dieses Konzept sagt vorher, dass wir in der Zukunft einfach ein Softwaremodell eines Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs designen oder eine Designvorlage nutzen, die dann von dem „personal fab“ zeitnah hergestellt wird. Also jeden Morgen eine neu designte und gefertigte Kaffeetasse, die dann am Mittag in eBay eingestellt wird und für 3,95 verkauft wird.

Coole Sache mit (noch) einem, bzw. zwei Haken. Erstens ist so ein „personal fab“ noch teuer und zweitens können nur wenige mit einer 3 D Software umgehen. Nun, beides wird sich relativieren und irgendwann ist der „fab“ so billig, dass er neben der Kaffeemaschine steht, wenn er nicht sogar auch noch Kaffee kochen kann und somit mit der Kaffeemaschine identisch ist, und die notwendige Software wird so einfach zu bedienen sein, dass es nun wirklich so einfach ist wie Kaffee kochen.

Ja, du hast recht! Kaffee kochen kann nicht jeder und so wird eher Szenario zwei eintreten, nämlich, dass die nachwachsenden Generation auch mit einer etwas komplizierteren Designsoftware umgehen kann, als die heutigen 30 jährigen, die dann zu digitalen Opis gehören.

Wir sind schon einen guten Schritt in die Richtung unterwegs. Die Menschen, die einen solchen „3 D fabricator“ schon besitzen haben erkannt, dass die diese Maschine besser ausnützen können, wenn sie die per Internet Aufträge zum 3 D ausdrucken annehmen und die gefertigten Teile dann per Post an die Designer und Erfinder senden. Damit ist es nun für eine große Zahl von Bastlern und Profis möglich etwas per Software zu entwickeln, was dann in der realen Welt existieren wird. Das können Fahrradsitze sein, Handauflagen für Stühle oder ein Werkstück für einen Oldheimer, für die es keine Gießform mehr gibt. Früher undenkbar so etwas vom Werkzeugmacher herstellen zu lassen, denn mit 50.000 Euro oder so, war man dabei. Heute für wenige zehn oder hundert Euro gang und gäbe.

Das ist nur ein Auswuchs der Basisdemokratie die ich auf uns zukommen sehe. Anstelle Basisdemokratie könnte man auch sagen: persönlicher Frieden, Unabhängigkeit von der Marktmacht großer Konzerne und der Wegfall der Beeinflussung durch die Medien, unabhängig von der, von Wirtschaft und Politik gesteuerten, Fehlinformation.

Ja liebe Politiker und Wirtschaftsführer, ich werdet ihn erleben: den mündigen Bürger! Wirklich? Nein, denn ich denke, dass es auch in der Zukunft die Masse sein wird, die beeinflusst wird, die Masse der Lemminge, die treu doof einer Doktrin folgt und einer nach dem anderen von der Klippe springt. Das wird so sein. Aber ....

Welcher Doktrin? Das ist die Gretchenfrage. Bisher konnten die Politiker, und ich zähle auch die Konzernvorstände in diesem Sinne dazu, die Masse – also die Lemminge – durch quasi zentralisierte Medienmacht „ein-norden“. Klar, es gab Wettbewerb und Gesetze, die den Weg vorzeichneten und vor allen Dingen gab es journalistische Freiheit und so weiter. Aber was konnte der Verbraucher tun? Welche wirkliche Macht hatte er. Er ging wählen, fiel auf Wahlversprechen rein und .... ergab sich in sein Schicksal. Das wird auch immer wieder in der Zukunft so sein. Allerdings, und hier liegt die Brisanz, wird der Wähler und der Kunde durch die schnellere Information über Alternativen ein Mandat schneller abwählen und sich der Alternative zuwenden, nur um diese auch nach einigen wenigen Enttäuschungen ins Abseits zu verbannen. Die Alternative liegt in unserer Welt nämlich nur noch einen Mausklick entfernt. (Nicht zu fassen, dass wir wirklich von Mäusen beherrscht werden, so wie es Douglas Adams in seinem Werk „Per Anhalter durch das Universum“ geschildert hat.)

Anbieter von Waren können es sich heute kaum noch erlauben schlechte Qualität zu liefern oder Kunden für dumm zu verkaufen. Die Weiterempfehlung von Freund zu Freund ist schnell, sehr schnell. Und auch die Kommunikation von negativen Merkmalen. Schnell in zweifacher Hinsicht. Erstens schnell, weil man elektronische Medien nutzen kann, e-mail, Foren oder Blogs und ähnliches und zweitens, weil der heutige Netzcitizen (der mündige und informierte Bürger) viel mehr Freunde hat als der Bewohner der Off-line Welt. Hä? Ein Netzcitizen ist ein Mensch, der in der Internetwelt zu Hause ist. Er oder sie sind Menschen, die News nur noch sekundär über Google News lesen und dort alle Nachrichtenquellen über ein aktuelle Thema sehen und vergleichen können. Es sind Menschen, die in Communities organisiert sind. Communities, die Menschen mit gleichen Interessen elektronisch verbinden. Moderne Vereine. Weltweite Vereine.

Und wie es schon immer war, an der Theke im Verein wurde Politik gemacht. Geglüngelt und über alles mögliche gesprochen. „Man, ich habe meinem Wagen beim Müller reparieren lassen und nun spinnt die Elektronik ganz“. Tja, Pech für das Autohaus Müller. „Das sichere Fahrradschloss von Maier (echter Fall, Name von der Redaktion ;-) geändert) lässt sich ja mit einer Büroklammer öffnen“. Tja, Pech für Maier. Hier ist der Unterschied zwischen Müller 1986 und Maier 2004: der Fall Maier wurde nicht im Vereinsheim im Wald an der Theke kommuniziert, sondern im Internet auf einem Blog. Und dann auf einen weiteren Blog und dann noch eins und noch eins und dann schlussendlich in den „normalen“ Medien. Ein Supergau für Maier.

Und das ist sie die Basisdemokratie, die ich meine. Der mündige Bürger und Konsument verfügt heute über Reichweite. Bidirektional. Er kann potenziell Millionen erreichen und kann sich potenziell aus Millionen von Quellen informieren. Leute über den Tisch ziehen ist nicht mehr so einfach und wenn die Lemminge aus ihrer Lethargie aufwachen wird sich die Gesellschaft ändern, die Rahmenbedingungen haben sich schon geändert und die nachwachsenden Generationen informieren sich mehr und anders als die heute regierenden. Also fangt an und handelt mit einem höheren ethischen und moralischen Anspruch, sonst sind die Kunden und die Bürger weg. Einfach weg. Woanders, bei einem Anbieter, der mehr den Zeitgeist verkörpert. Und dieser - denkt immer daran ihr regierenden Politiker und Unternehmer – dieser ist nur einen Mausklick entfernt.

Basisdemokratie ante portas? Ganz sicher, denn die moderne Waffe der aktiven Masse ist nicht das Schwert, sondern die Maus und die ist ungleich sanfter, leiser und wesentlich gefährlicher.