web 2.0 – Spinnerei, eine neue „Blase“ oder viele neue Googles und solide Investitionschancen?
Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass der Begriff web 2.0 eine Modeerscheinung ist. Und irgendwie vollkommen willkürlich, denn es hätte auch 1.5 oder 3.2 heißen können. In der Regel wird die erste richtig funktionierende Version einer Computersoftware als Version 1.0 bezeichnet, dann weitere Versionen mit kleineren Änderungen als 1.2, 1.3 und so weiter. Die nächste volle Zahl, also beispielsweise 2.0, bezeichnet dann eine Version, die wesentlich mehr kann und quasi etwas völlig Neues ist für den alten Zweck. Ist das web 2.0 nun etwas völlig Neues?
Die Antwort ist ein eindeutiges Jein. Neu ist, dass immer mehr Menschen– und wir sprechen hier von hunderten von Millionen Menschen – das Internet nutzen. Neu ist, dass mehr Geräte, aus dem Internetinformationen erhalten, Computer, Handys und andere Geräte bis hin zum Kühlschrank und gleichzeitig immer mehr Nutzer, die bewusst oder im Rahmen ihrer täglichen Arbeit Informationen aus dem Web nutzen. Nicht neu ist das Internet an sich, das world wide web, das Netz, das die Datenquellen untereinander verbindet. Neu ist jedoch die Art wie diese Daten miteinander verknüpft sind und wie sie dargeboten werden. Das alles ist jedoch keine wirkliche Version 2.0.
Neu ist auch, dass web 2.0 Firmen keinen Börsengang planen so wie während der Hype 1999. Neu ist auch, dass man von den Gründern verlangt, dass von Nudelsuppe aus Tüten leben – so ein Risikokapitalgeber aus Silicon Valley - und nicht erste Klasse um die Welt fliegen und 100 Millionen Dollar in wenigen Monaten verbrennen, wie es ein berühmt berüchtigtes Unternehmen aus Schweden 1999/2000 vorgemacht hat. Nein heute gründen zwar wieder Models und Studenten web 2.0 Firmen aber die Millionen fließen dann, wenn die Firma in den Händen von erfahrenen Unternehmer oder Managern ist. Selbst der berühmte Börsengang von Google wäre nie möglich gewesen, wenn nicht Eric Schmidt an der Spitze gestanden hätte. Schmidt war zuvor im Top Management von Novel und Sun Microsystems, also ein “hochdekorierter Offizier”.
Also keine Millionen mehr für Studenten und Models, sondern nur noch für gestandenes Management? Auch hier ein klares Jein. Denn in der web 2.0 Welt ist eine andere Entwicklung dominant. Kein Börsengang sondern der Ausbau der börsennotierten Unternehmen. Unternehmen mit einem Börsenwert von Milliarden Dollar, Google, Amazon, Cisco, Ebay und so weiter, stehen im Wettbewerb und müssen ihre Position ausbauen um ihrem Wert zu steigern und zu wahren. Diese Unternehmen haben zwar Geschäftsmodelle mit denen sie Geld verdienen, allerdings nur so lange wie Nutzer die Dienste dieser Firmen in Anspruch nehmen. Und hier liegt die Gefahr: Der oben angeführte höhere Grad der Vernetzung motiviert die Online-Nomaden innerhalb kurzer Zeit weiter zu ziehen. Der User weiß nämlich heute schneller als je zuvor wo es welches Schnäppchen im Internet gibt; und was Spass macht. Ist es nicht bei Google, sondern bei Schmoogle (die nicht Ernst zu nehmende virtuelle Firma des deutschen TV Entertainers Harald Schmidt, nicht Eric Schmidt, die aus dem Zusammenschluss von Google und der Harald Schmidt Show im Ersten deutschen Fernsehen entstanden ist), dann surft der Kunde zu Schmoogle; und das mit einem Mausklick. Ergebnis: Schmoogle macht den Umsatz und der Börsenwert von Google bricht spätestens mit den nächsten Quartalszahlen ein.
Aus dieser gefährlichen Lage befreien sich nun die etablierten Player indem sie die Schmoogles dieser Welt aufmerksam verfolgen und dann aufkaufen. Schnell und unbürokratisch. Bezahlt wird aus den prall gefüllten Kassen vom Börsengang oder eben mit Aktien, meistens mit einer gesunden Mischung aus beidem. So hat Google youTube gekauft. Für 1,65 Milliarden Dollar. Und Rupert Murdoch mySpace. Für etwas mehr als 550 Millionen. Beide Unternehmen verdienten keinen müden Euro zum Kaufdatum. Im Gegenteil, sie verbrannten in großen Mengen Risikokapital. Allerdings nicht für erste Klase Ticket und Partys auf denen Hummer und Kobesteaks gereicht wurden, sondern für Computer und Internetverbindungen. Der Wert dieser Unternehmen war dennoch enorm, denn durch die Vernetzung der Daten im neuen Jahrtausend wussten die Nutzer wo die angesagten Plätze im Internet sind. Und da surften sie hin. Zu Schmoggle eben und nicht mehr zu Google, um bei dem Beispiel zu bleiben.
Wer sind die Nutzer? Hauptsächlich die junge Generation, auch bekannt als MTV Generation und zunehmen bekannt als mySpace Generation. Und diese Jugendlichen waren zu Millionen im Internet auf mySpace zu finden. Was lag also näher für einen Medienkonzern als diesen virtuellen Raum zu kaufen und somit die Nutzer in sein „Hotel“ einzuladen und dafür zu sorgen dass die Nutzer im eigenen „Casino“ spielen und nicht in dem der Mitbewerber. Das ist ein altes Konzept und wird in Las Vegas seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt. Die Hotelpreise sind niedrig und der Gast spielt in der Lobby Roulette und lässt die Urlaubskasse gleich dort. Und so ist es auch bei mySpace: „lebe bei mir im virtuellen Raum und während Du hier bist, zeige ich Dir ein paar coole – kostenpflichtige – Möglichkeiten zu spielen“. Murdoch hat sein Investment wieder raus. Schon wenige Monate später unterzeichnete er einen Vertrag mit Google, der ihm Anzeigeneinnahmen auf mySpace von über 900 Millionen Dollar garantierte.
Was ist aber mit 1,65 Milliarden Dollar? Kann man die auch verdoppeln? Wahrscheinlich, denn Google hat nun die Nutzer. Und das sind nicht wenige. Jeden Tag werden ca. 100 Millionen Videos von den youTube Seiten abgerufen und das sind mehrere 100 Millionen Anzeigen, die die User am Tag sehen. Da kommt der Return on Investment schon noch zusammen. Und das ist nicht alles. Google kann auch vermarkten, Anzeigen verkaufen und hat ein Netzwerk von Kontakten zur Medienindustrie. Also lädt man die Fernsehsender ein ihre professionellen Clips und Promotionvideos in die 100 Millionen zu mischen, natürlich an einer idealen Position und dann sind die Einschaltquoten wieder höher. Höhere Einschaltquoten resultiert in höheren Werbeeinnahmen der Sender und so verdienen beide – Goggle und die Fernsehsender. Diese Konzept ist jedoch nicht nur auf Fernsehsender begrenzt, auch der Spot für den neuen VW Scrirroco könnte so verbreitet werden, die neue CD von Mariah Carry und sogar die Ansprache der Bundeskanzlerin – passgenau auf die Zielgruppe.
Es geht also primär ums Geld verdienen im web 2.0 und der Fokus ist genau dort.
Das alles ist nun aber keine Version 2.0 sondern normal. Rockefeller, J.P.Morgan, Siemens und Millionen anderer Unternehmer haben genau so gedacht und gehandelt. Das ist also eher die Version 0.1 – sozusagen die Mutter des Gedanken.
Die Vernetzung, die einfachere Nutzung und die junge Generation, die mit Computern und Handys spielerisch umgeht sind die Kombination, die das Internet zur einem neuen revolutionären Kommunikationsmittel machen.
In dem sozialwissenschaftlichen Werk The Wisdom of Crowds von James Surowiecki und anderen sind die web 2.0 Phänomene zum Teil vorweggenommen. Dieses gut recherchierte Buch vertritt die zentrale These, dass Kollektive unter bestimmten Bedingungen bessere Entscheidungen treffen können als ihre kompetentesten und intelligentesten Mitglieder. Es lässt sich aufgrund der vielen Beispiele aus der experimentellen Psychologie als Anleitung für die geschäftliche Nutzung des Web lesen.
Daher wird auch der Begriff Social Web synonym für web 2.0 verwandt.
Neben sozialwissenschaftlichen Ansätzen versuchen auch biologische Erklärungen die sozialen Effekte des Web 2.0 zu verstehen. Dabei werden häufig Vergleiche mit Staaten bildenden Insekten (Ameisen) und Vogelschwärmen gezogen (entsprechend entdecken Vertreter dieser Sichtweise das Schwarmprinzip als Gesetz des Web.
Als wesentliche Kennzeichen des Social Web gelten neben Wikis auch Weblogs. Wikis sind Webseiten auf denen jeder Texte, Bilder und Videos zu einem Thema hinterlegen kann und durch die lose Zusammenarbeit vieler werden enorme Wissensstände zusammengefasst. Das bekannteste Wiki ist die Wikipedia, ein Online Lexikon, an dem hunderttausende schrieben und in dem in der englischen Ausgabe über 1,5 Millionen Beiträge zu finden sind, die – und das ist das bemerkenswerte und wichtige – untereinander auf Knopfdruck verlinkt sind. Man liest eine Definition über Herzkammerflimmern und erhält mit einem einzigen Knopfdruck Informationen über das Herz an sich, über erste Hilfe Maßnahmen und viele andere Berichte. Das kann das Internet, eine Süddeutsche Zeitung in der Druckausgabe nicht. Das ist die Zukunft und das ist auch das web 2.0.
Und es wird noch kritischer für die Süddeutsche Zeitung, durch die Webblogs oder kurz Blogs. Das sind Webseiten, die öffentlich für jeden zugänglich sind von Menschen, die einfach ihre Meinung in Form eines oder mehrer Artikel im Internet veröffentlichen. Blogs sind die neue Form der Gutenbergschen Druckerpresse. Und auch Gutenberg hat eine Revolution ausgelöst. Jeder kann ein Blog schreiben, weil die Werkzeuge, also die Webseite auf der der Text eingetippt wird, kinderleicht zu bedienen ist, weil die Vernetzung den Inhalt anderen zugänglich macht und weil zu guter letzt der Schwarm, also die Leser, die Möglichkeit haben es weiter zu empfehlen und zu kommentieren. Also Basisdemokratie pur! Und das ist auch web 2.0.
Einige möchten lieber auf Weblogs verzichten als auf die New York Times, lieber auf die Amateure als auf die Profis.
Der Autor Carr beschreibt das Verhältnis zwischen kommerziellen Medien und den Produkten unentgeltlicher Arbeit als unausweichliche Verdrängung der ersten durch die zweiten. In der Praxis funktioniert das so wohl nicht, denn die Industrie wird auf die Herausforderungen durch freie Inhalte reagieren. Wie das aussehen könnte, zeigt das Beispiel der Software-Branche. Auch sie steht in Konkurrenz zu freien Produkten aus der Open-Source-Gemeinde. Dort müssen Firmen versuchen, aus dem Geschäft mit Commodity-Software wegzukommen und durch innovative und benutzfreundliche Anwendungen zu überleben. Zu ähnlichen Reaktionen werden auch die Medien gezwungen sein. Commodity-Inhalte, wie das Publizieren von bloßen Nachrichten oder Meinungen reichen nicht mehr aus, um sich von Amateur-Inhalten abzusetzen. Sie werden sich höherwertige Produkte einfallen lassen müssen. Also bringt das web 2.0 eine insgesamt vom Nutzer verlangte und getriebene höhere Qualität. Gut für alle.
Ist das web 2.0 nun die Investmentchance schlechthin oder nicht. Nun, das Internet ist die Investmentchance schlechthin und diese Industrie bewegt sich in Zyklen wie jeder andere Markt auch. Jetzt ist es der zweite Zyklus und es ist wahrscheinlich kein Hype sondern ein solider Boom. Internetinvestments sind zwar erwachsen geworden, bleiben jedoch auch weiterhin ein Risikoinvestment. Deshalb sollte nur ein kleinerer Teil des Portfolios dort hinein investiert werden – der jedoch in jedem Fall, denn die Gründer, die von Nudelsuppe leben, in Verbindung mit erfahrenen Managern und der Notwendigkeit der big players die eroberten Pfründe zu verteidigen erzeugt sicher noch ganz viele hundert Millionen für die Investoren der ersten und zweiten Stunde – so wie zum Beispiel 2,5 Milliarden Dollar für die Investoren des Unternehmens Skype, welches von Amazon aufgekauft wurde. Mit Skype kann man weltweit kostenlos von Computer zu Computer telefonieren. Simpel, einfach und kostenlos – und dann konnten die Nutzer auch normale Telefone vom Computer anrufen; zu guten Preisen. Und plötzlich wird aus einem kostenlosen Service ein Umsatzbringer.
Die Antwort ist ein eindeutiges Jein. Neu ist, dass immer mehr Menschen– und wir sprechen hier von hunderten von Millionen Menschen – das Internet nutzen. Neu ist, dass mehr Geräte, aus dem Internetinformationen erhalten, Computer, Handys und andere Geräte bis hin zum Kühlschrank und gleichzeitig immer mehr Nutzer, die bewusst oder im Rahmen ihrer täglichen Arbeit Informationen aus dem Web nutzen. Nicht neu ist das Internet an sich, das world wide web, das Netz, das die Datenquellen untereinander verbindet. Neu ist jedoch die Art wie diese Daten miteinander verknüpft sind und wie sie dargeboten werden. Das alles ist jedoch keine wirkliche Version 2.0.
Neu ist auch, dass web 2.0 Firmen keinen Börsengang planen so wie während der Hype 1999. Neu ist auch, dass man von den Gründern verlangt, dass von Nudelsuppe aus Tüten leben – so ein Risikokapitalgeber aus Silicon Valley - und nicht erste Klasse um die Welt fliegen und 100 Millionen Dollar in wenigen Monaten verbrennen, wie es ein berühmt berüchtigtes Unternehmen aus Schweden 1999/2000 vorgemacht hat. Nein heute gründen zwar wieder Models und Studenten web 2.0 Firmen aber die Millionen fließen dann, wenn die Firma in den Händen von erfahrenen Unternehmer oder Managern ist. Selbst der berühmte Börsengang von Google wäre nie möglich gewesen, wenn nicht Eric Schmidt an der Spitze gestanden hätte. Schmidt war zuvor im Top Management von Novel und Sun Microsystems, also ein “hochdekorierter Offizier”.
Also keine Millionen mehr für Studenten und Models, sondern nur noch für gestandenes Management? Auch hier ein klares Jein. Denn in der web 2.0 Welt ist eine andere Entwicklung dominant. Kein Börsengang sondern der Ausbau der börsennotierten Unternehmen. Unternehmen mit einem Börsenwert von Milliarden Dollar, Google, Amazon, Cisco, Ebay und so weiter, stehen im Wettbewerb und müssen ihre Position ausbauen um ihrem Wert zu steigern und zu wahren. Diese Unternehmen haben zwar Geschäftsmodelle mit denen sie Geld verdienen, allerdings nur so lange wie Nutzer die Dienste dieser Firmen in Anspruch nehmen. Und hier liegt die Gefahr: Der oben angeführte höhere Grad der Vernetzung motiviert die Online-Nomaden innerhalb kurzer Zeit weiter zu ziehen. Der User weiß nämlich heute schneller als je zuvor wo es welches Schnäppchen im Internet gibt; und was Spass macht. Ist es nicht bei Google, sondern bei Schmoogle (die nicht Ernst zu nehmende virtuelle Firma des deutschen TV Entertainers Harald Schmidt, nicht Eric Schmidt, die aus dem Zusammenschluss von Google und der Harald Schmidt Show im Ersten deutschen Fernsehen entstanden ist), dann surft der Kunde zu Schmoogle; und das mit einem Mausklick. Ergebnis: Schmoogle macht den Umsatz und der Börsenwert von Google bricht spätestens mit den nächsten Quartalszahlen ein.
Aus dieser gefährlichen Lage befreien sich nun die etablierten Player indem sie die Schmoogles dieser Welt aufmerksam verfolgen und dann aufkaufen. Schnell und unbürokratisch. Bezahlt wird aus den prall gefüllten Kassen vom Börsengang oder eben mit Aktien, meistens mit einer gesunden Mischung aus beidem. So hat Google youTube gekauft. Für 1,65 Milliarden Dollar. Und Rupert Murdoch mySpace. Für etwas mehr als 550 Millionen. Beide Unternehmen verdienten keinen müden Euro zum Kaufdatum. Im Gegenteil, sie verbrannten in großen Mengen Risikokapital. Allerdings nicht für erste Klase Ticket und Partys auf denen Hummer und Kobesteaks gereicht wurden, sondern für Computer und Internetverbindungen. Der Wert dieser Unternehmen war dennoch enorm, denn durch die Vernetzung der Daten im neuen Jahrtausend wussten die Nutzer wo die angesagten Plätze im Internet sind. Und da surften sie hin. Zu Schmoggle eben und nicht mehr zu Google, um bei dem Beispiel zu bleiben.
Wer sind die Nutzer? Hauptsächlich die junge Generation, auch bekannt als MTV Generation und zunehmen bekannt als mySpace Generation. Und diese Jugendlichen waren zu Millionen im Internet auf mySpace zu finden. Was lag also näher für einen Medienkonzern als diesen virtuellen Raum zu kaufen und somit die Nutzer in sein „Hotel“ einzuladen und dafür zu sorgen dass die Nutzer im eigenen „Casino“ spielen und nicht in dem der Mitbewerber. Das ist ein altes Konzept und wird in Las Vegas seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt. Die Hotelpreise sind niedrig und der Gast spielt in der Lobby Roulette und lässt die Urlaubskasse gleich dort. Und so ist es auch bei mySpace: „lebe bei mir im virtuellen Raum und während Du hier bist, zeige ich Dir ein paar coole – kostenpflichtige – Möglichkeiten zu spielen“. Murdoch hat sein Investment wieder raus. Schon wenige Monate später unterzeichnete er einen Vertrag mit Google, der ihm Anzeigeneinnahmen auf mySpace von über 900 Millionen Dollar garantierte.
Was ist aber mit 1,65 Milliarden Dollar? Kann man die auch verdoppeln? Wahrscheinlich, denn Google hat nun die Nutzer. Und das sind nicht wenige. Jeden Tag werden ca. 100 Millionen Videos von den youTube Seiten abgerufen und das sind mehrere 100 Millionen Anzeigen, die die User am Tag sehen. Da kommt der Return on Investment schon noch zusammen. Und das ist nicht alles. Google kann auch vermarkten, Anzeigen verkaufen und hat ein Netzwerk von Kontakten zur Medienindustrie. Also lädt man die Fernsehsender ein ihre professionellen Clips und Promotionvideos in die 100 Millionen zu mischen, natürlich an einer idealen Position und dann sind die Einschaltquoten wieder höher. Höhere Einschaltquoten resultiert in höheren Werbeeinnahmen der Sender und so verdienen beide – Goggle und die Fernsehsender. Diese Konzept ist jedoch nicht nur auf Fernsehsender begrenzt, auch der Spot für den neuen VW Scrirroco könnte so verbreitet werden, die neue CD von Mariah Carry und sogar die Ansprache der Bundeskanzlerin – passgenau auf die Zielgruppe.
Es geht also primär ums Geld verdienen im web 2.0 und der Fokus ist genau dort.
Das alles ist nun aber keine Version 2.0 sondern normal. Rockefeller, J.P.Morgan, Siemens und Millionen anderer Unternehmer haben genau so gedacht und gehandelt. Das ist also eher die Version 0.1 – sozusagen die Mutter des Gedanken.
Die Vernetzung, die einfachere Nutzung und die junge Generation, die mit Computern und Handys spielerisch umgeht sind die Kombination, die das Internet zur einem neuen revolutionären Kommunikationsmittel machen.
In dem sozialwissenschaftlichen Werk The Wisdom of Crowds von James Surowiecki und anderen sind die web 2.0 Phänomene zum Teil vorweggenommen. Dieses gut recherchierte Buch vertritt die zentrale These, dass Kollektive unter bestimmten Bedingungen bessere Entscheidungen treffen können als ihre kompetentesten und intelligentesten Mitglieder. Es lässt sich aufgrund der vielen Beispiele aus der experimentellen Psychologie als Anleitung für die geschäftliche Nutzung des Web lesen.
Daher wird auch der Begriff Social Web synonym für web 2.0 verwandt.
Neben sozialwissenschaftlichen Ansätzen versuchen auch biologische Erklärungen die sozialen Effekte des Web 2.0 zu verstehen. Dabei werden häufig Vergleiche mit Staaten bildenden Insekten (Ameisen) und Vogelschwärmen gezogen (entsprechend entdecken Vertreter dieser Sichtweise das Schwarmprinzip als Gesetz des Web.
Als wesentliche Kennzeichen des Social Web gelten neben Wikis auch Weblogs. Wikis sind Webseiten auf denen jeder Texte, Bilder und Videos zu einem Thema hinterlegen kann und durch die lose Zusammenarbeit vieler werden enorme Wissensstände zusammengefasst. Das bekannteste Wiki ist die Wikipedia, ein Online Lexikon, an dem hunderttausende schrieben und in dem in der englischen Ausgabe über 1,5 Millionen Beiträge zu finden sind, die – und das ist das bemerkenswerte und wichtige – untereinander auf Knopfdruck verlinkt sind. Man liest eine Definition über Herzkammerflimmern und erhält mit einem einzigen Knopfdruck Informationen über das Herz an sich, über erste Hilfe Maßnahmen und viele andere Berichte. Das kann das Internet, eine Süddeutsche Zeitung in der Druckausgabe nicht. Das ist die Zukunft und das ist auch das web 2.0.
Und es wird noch kritischer für die Süddeutsche Zeitung, durch die Webblogs oder kurz Blogs. Das sind Webseiten, die öffentlich für jeden zugänglich sind von Menschen, die einfach ihre Meinung in Form eines oder mehrer Artikel im Internet veröffentlichen. Blogs sind die neue Form der Gutenbergschen Druckerpresse. Und auch Gutenberg hat eine Revolution ausgelöst. Jeder kann ein Blog schreiben, weil die Werkzeuge, also die Webseite auf der der Text eingetippt wird, kinderleicht zu bedienen ist, weil die Vernetzung den Inhalt anderen zugänglich macht und weil zu guter letzt der Schwarm, also die Leser, die Möglichkeit haben es weiter zu empfehlen und zu kommentieren. Also Basisdemokratie pur! Und das ist auch web 2.0.
Einige möchten lieber auf Weblogs verzichten als auf die New York Times, lieber auf die Amateure als auf die Profis.
Der Autor Carr beschreibt das Verhältnis zwischen kommerziellen Medien und den Produkten unentgeltlicher Arbeit als unausweichliche Verdrängung der ersten durch die zweiten. In der Praxis funktioniert das so wohl nicht, denn die Industrie wird auf die Herausforderungen durch freie Inhalte reagieren. Wie das aussehen könnte, zeigt das Beispiel der Software-Branche. Auch sie steht in Konkurrenz zu freien Produkten aus der Open-Source-Gemeinde. Dort müssen Firmen versuchen, aus dem Geschäft mit Commodity-Software wegzukommen und durch innovative und benutzfreundliche Anwendungen zu überleben. Zu ähnlichen Reaktionen werden auch die Medien gezwungen sein. Commodity-Inhalte, wie das Publizieren von bloßen Nachrichten oder Meinungen reichen nicht mehr aus, um sich von Amateur-Inhalten abzusetzen. Sie werden sich höherwertige Produkte einfallen lassen müssen. Also bringt das web 2.0 eine insgesamt vom Nutzer verlangte und getriebene höhere Qualität. Gut für alle.
Ist das web 2.0 nun die Investmentchance schlechthin oder nicht. Nun, das Internet ist die Investmentchance schlechthin und diese Industrie bewegt sich in Zyklen wie jeder andere Markt auch. Jetzt ist es der zweite Zyklus und es ist wahrscheinlich kein Hype sondern ein solider Boom. Internetinvestments sind zwar erwachsen geworden, bleiben jedoch auch weiterhin ein Risikoinvestment. Deshalb sollte nur ein kleinerer Teil des Portfolios dort hinein investiert werden – der jedoch in jedem Fall, denn die Gründer, die von Nudelsuppe leben, in Verbindung mit erfahrenen Managern und der Notwendigkeit der big players die eroberten Pfründe zu verteidigen erzeugt sicher noch ganz viele hundert Millionen für die Investoren der ersten und zweiten Stunde – so wie zum Beispiel 2,5 Milliarden Dollar für die Investoren des Unternehmens Skype, welches von Amazon aufgekauft wurde. Mit Skype kann man weltweit kostenlos von Computer zu Computer telefonieren. Simpel, einfach und kostenlos – und dann konnten die Nutzer auch normale Telefone vom Computer anrufen; zu guten Preisen. Und plötzlich wird aus einem kostenlosen Service ein Umsatzbringer.

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