Errare humanum est. - Irren ist menschlich.

Sonntag, August 30, 2009

Entrepreneur – wat is dat dann?


Endlich ein Buch, was mit dem Irrglauben, dass es gewisser Ausbildung – Hochschulausbildung – bedürfe, um Unternehmer zu werden, aufräumt. Der Berliner Professor trifft es auf den Kopf, indem er den Unterschied zwischen einen MBA und einem Entrepreneur erläutert. Entrepreneur ist ein Begriff, der sich im Deutschen noch nicht so durchgesetzt hat, so wie MBA (Master of Business Administration). Wird er hoffentlich noch. Das ist den Deutschen zu wünschen. Das Modell hat viele Vorteile und fordert ein gewisses Umdenken. Ein Umdenken, welches weg vom dem Elitedenken führt und welches sicher seine Zeit in Deutschland braucht.

Um was geht es? Nun, wie der Name schon sagt ist der MBA ein Meister der Administration und daher als Unternehmer weniger geeignet. Wohl sollten Unternehmer einige von denen (Verwaltern) haben und die sollten das Unternehmen, eben, verwalten. Ein Entrepreneur hingegen ist einer, der eine Idee hat und diese Idee so leidenschaftlich ausspinnt und vertritt, dass er irgendwann aus dieser Idee ein Produkt schafft und dann, mit Hilfe von MBAs, ein Unternehmen hochzieht. Dabei muss der Entrepreneur diese MBAs gar nicht anstellen und bezahlen, sondern es geht auch mit outsourcen a la „the 4 hour work week“. Das heißt, man kann Leistungen einfach einkaufen, von Firmen, die genügend dieser MBAs bezahlen. Das haben wir alle schon viele Male gemacht, wenn wir zum Beispiel einen Brief versandt haben. Der Transport geschah wie von selbst, nachdem wir eine Briefmarke aufgeklebt hatten und den frankierten Brief bei einen Postamt abgegeben hatten. Warum nicht dieses Outsourcen sehr viel weiter fassen und mit entsprechenden Dienstleistern zusammenarbeiten, sodass der Entrepreneur sich im Wesentlichen auf seinen Idee konzentrieren kann.

Dies bringt unter anderem den Vorteil, dass man als Entrepreneur mit ganz wenig Kapital starten kann und vor allen Dingen, dass man kein Studium braucht, um Unternehmer zu werden. Hui ... das bricht ja mit allem was dem Deutschen auf der Schule eingebläut wird. Gefährlich und das darf nicht sein. Faltin bringt einige Beispiele in dem Buch und diese sind zum Teil recht unterhaltsam. In einen Fall berichtet er, wie ein euphorischer junger Mann seine ganze Euphorie verlor und von der Gründungsberatung gemein ausgestoppt wurde. In einem anderen Fall, folgte der Gründer den Richtlinien und gab auf als er an der Bilanzanalyse scheiterte.

Aufgemerkt: Bilanzanalyse muss ein MBA können, der muss aber nicht und kann in der Regel auch nicht „Unternehmertum“. Er ist Verwalter. So steht es genau in seinem Abschluss. Entrepreneure brauchen keine Bilanzanalyse, sonder nur eine Idee, die sie leidenschaftlich verteidigen, alles daran setzen sie zu verwirklichen und hartnäckig den besten Weg dafür suchen.

Ich finde diese durchaus zutreffende und richtige Analyse großartig. Ich selber habe mich nie benachteiligt gefühlt, weil ich keinen MBA hatte, aber ich weiß, dass die meisten Menschen denken, ohne ein Studium können sie kein Unternehmer sein. Ganz im Gegenteil: wenn man die größten Unternehmen der Welt ansieht, dann waren es in den allerwenigsten Fällen MBAs, die diese gegründet hatten. Oft genug waren es im Gegenteil Schulabgänger: Apple, Microsoft, Oracle.

Also Schule abbrechen und Unternehmer werden? Nein: denken und nicht verwalten, Lösungen durchdenken, ohne sich an die Konventionen zu halten. Ein MBA kann auch Entrepreneur sein – aber auch einer ohne MBA oder gar ohne Hochschulabschluss, oder ganz ohne Schulabschluss kann ein Entrepreneur sein. Und ein erfolgreicher noch dazu.

Faltin trifft es bestens, als es seine Erkenntnisse mit den Erfahrungen von Yunus vergleicht: „Jeder hat das Zeug zum Entrepreneur. Wenn sogar islamische Frauen unter extrem ungünstigen Bedingungen Entrepreneure werden können, sollte man erwarten, dass dies auch bei uns möglich ist“ (s. 184).

Ich hoffe dass die Politiker irgendwann Entrepreneurship in der Schule lernen und dass diese alte eingefahrene Denke irgendwann verschwindet. Nur dann kann sich Deutschland – und auch andere Staaten – von einer Lohnsklaven Nation zu einer freien Denkerwelt entwickeln und der Wohlstand kann weiter wachsen, die Zufriedenheit steigen und der soziale Frieden dauerhaft gesichert werden.

Faltin ist ein gutes Buch gelungen und ich finde es schade, dass ich es nur zufällig gefunden habe. Ich finde, dass es Pflichtlektüre in der Schule sein sollte – aber ich denke, dass er wesentlich besseres Marketing für ein Buch leisten könnte – das fängt beim Titel und beim Umschlag an. Es gibt eigentlich nur ein Buch, was von einem deutschen Verlag noch schlechter vermarktet wurde. Das ist das must-read von Jeff Jarvis: „Was würde Google tun“. Hier die beiden Cover – entscheidet selbst.

Sonntag, August 02, 2009

Myelin – Neues aus der Hirnforschung.





Ich habe auf die Schnelle ein weiteres Buch zwischen geschoben. Heißt, ich stehe bei „Der zweite Code“ immer noch bei Seite 100. (siehe Blog von gestern)

Seit gestern habe ich „Die Talent Lüge“ förmlich verschlungen und muss sagen, ich bin hochgradig verwirrt. Ein tolles Buch, welches zunächst einige interessante Fragen stellt. So zum Beispiel, wie kommt es, dass so viele Russinnen plötzlich in den Top Tennis Rängen spielen und wie kommt es, dass diese alle in einer kleinen unbedeutenden Schule trainiert wurden; warum im Jahr 2008 immerhin 45 weibliche Golfspielerinnen aus Südkorea bei den PGA teilnehmen, nachdem es 10 Jahre zuvor nur eine war. Andere Beispiele sind ebenso erstaunlich, denn angeborene und somit genetisch bedingte Talente sind, aufgrund der reinen Statistik, danach auszuschließen.

Der Autor erklärt gleich am Anfang die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung: Myelin, die weiße Substanz in unseren Hirnen ist verantwortlich für diese Leistungen. Myelin ist der Stoff, der die Nervenzellen voneinander isoliert. Je besser eine Nervenzelle isoliert ist, desto besser und vor allem schneller ist die Informationsübertragung und desto schneller erzeugt das Hirn Ergebnisse, heißt unser „Computer“ wird schneller getaktet. Bewegungsimpulse werden schneller an die Muskeln gesendet, der Klavierspieler wird zum Virtuosen, der Fußballspieler zum Pele und so weiter.

Nun habe ich natürlich erwartet, dass das Buch eine chemische Anleitung enthält, wie Myelin erzeugt wird und wie man es einsetzen, ersetzen und beeinflussen kann. Der Rest des Buches beschreibt allerdings dann „nur“ außergewöhnliche Beobachtungen in der wahren Welt, Vermutungen über die Zusammenhänge und Umstände auf Grund dieser Beobachtungen und verweißt auf sehr interessante Studien und Interviews. In der Summe ein sehr gutes und sehr spannendes Buch. Meine Erwartungen sind jedoch nicht erfüllt.

Myelin ist der Wirkmechanismus, ähnlich wie die 3 Wege um DNA Abschnitte zu aktivieren oder still zu legen. Wir kennen also auch hier nun die technischen Vorgänge und wissen, dass Einstein mehr weiße Masse in einer bestimmten Hirnregion hatte als normale Menschen. Das bestätigt die Myelin Wirkung. Aber auch hier fehlt es an der Erklärung des Warum und Wie. Die Software, die Programmierung? Die vielen Beispiele sind, wie gesagt, hervorragend und super interessant, liefern aber keine Antworten.

Einzige vermutete Erkenntnis ist „die 10,000 Stunden Regel“, die auch Malcom Gladwell in „Überflieger“ postulierte: Wenn jemand 10.000 Stunden etwas geübt hat, dann beherrscht er dieses zur Perfektion und somit besser als andere. In beiden Büchern werden für diese Vermutung empirische Beweise angeführt. Aber ist das das Ende der Weisheit?

Im Gegenteil, ich muss nun folgende Fragen stellen:

1) Sind es 10,000 Stunden oder doch nur 5,000? Oder 20,000?
2) Ist die Methode entscheidend oder nur die Anzahl der Wiederholungen?

Und vor allen Dingen ergänzt das Myelin unsere bisherigen Annahmen oder stellt es sie auf den Kopf? Hier ist es was ich damit meine: bisher war man, zumindest ich, der Meinung, dass je mehr Erfahrungen parallel geschaltet wurden, desto breiter wurde die Datenautobahn im Hirn und desto besser wurden wir. Also verschiedene Erfahrungen und auch die Nutzung verschiedener Sensorensysteme, wie sehen, schmecken, riechen, was ganz sicher verschiedene Hirnreale und andere Nervenzellen sind. Synästhesien, also das Erleben, Erlernen von etwas mit allen Sinnen gleichzeitig galt als das Non-Plus-Ultra. Ist das falsch? Ist es nun genau das Gegenteil? Nicht das breite Anlegen von vielen Spuren, das Austreten des Pfades zum breiten Pfad, sondern das Isolieren des kleinen Pfades? Das Buch postuliert den folgenden Gedanken: Je besser die Nervenzellen gegen die Nachbarn isoliert ist, desto weniger Störungen durch die Nachbarn und desto schneller die Informationsverarbeitung. Das ist das Gegenteil! Ich bin verwirrt.

Das ist ein sehr interessanter Aspekt und ich werde versuchen diese Grundfrage weiter zu erforschen. Wahrscheinlich ist beides richtig und letztendlich wird die Beantwortung dieser Frage auch einen Teil der Antwort nach der Software darstellen.

Ein anderer Abschnitt im Buch gab mir auch zu Bedenken und ist höchst interessant. In einer zitierten Studie wurden Fünftklässler in zwei Gruppen unterteil: einer Hälfte wurde gesagt, dass die intelligent seinen, weil sie die Aufgabe gelöst haben, der anderen Hälfte wurde gesagt, dass die sich sehr angestrengt haben und die Aufgabe gelöst hatten. In der Folge wurden die, denen man sagte, die haben sich angestrengt immer besser und die „intelligenten“ immer schlechter. Die Studie zeigt, dass positive Affirmationen und das einfach nur positive Bestätigen nur dann wirken, wenn es auch richtig gemacht wurde. In dem „intelligenten“ Fall, dachten die Kinder nicht, dass sie sich anstrengen mussten, weil sie ja intelligent waren und es so oder so können; in dem anderen, strengten sie sich an, weil die dafür belohnt wurden und nicht dafür, dass die etwas hatten wofür sie nichts konnten, nämlich „Intelligenz“. Eine interessante Studie, die den „it´s all great“ Ansatz definitiv in Frage stellt.

Freitag, Juli 31, 2009

Epigenetik – die Fortsetzung





Dies ist ein weiterer Eintrag zum Thema als Erweiterung und Fortsetzung zu dem Eintrag vom Mai 2007.

Ich habe gerade die ersten 100 Seiten von diesem ausgezeichneten Buch gelesen: Der zweite Code. Epigenetik - oder wie wir unser Erbgut steuern können. Von Peter Spork (Autor)

Faszinierend und fesselnd. Nachdem die Wissenschaftler 2000 den Durchbruch feierten, nämlich, dass das menschliche Genom entschlüsselt war – was dann endgültig 2003 geschah – wurden dadurch weitere Fragen aufgeworfen, die man eigentlich zu lösen gedacht hatte: „Warum entwickeln eineiige Zwillinge im Alter Krankheiten, die der eine bekommt und der andere nicht?“ Neben dieser „mechanisch, medizinischen“ Frage kommen „esoterische“ Fragen, wie ich sie in meinem älteren Eintrag aufgezeichnet habe, hinzu: „Warum kann der Glaube Berge versetzen?“

Man ist diesem Geheimnis nun ein großes Stück näher gekommen und das beschreibt Peter Spork in seinem Buch.

Auf biologisch, chemischer Ebene hat man inzwischen 3 Mechanismen identifiziert, die in unserem Erbgut bestimmte Bereiche an- und ausschalten. Dadurch entwickeln wir uns unterschiedlich, obwohl wir das gleiche Erbgut als Basis der Entwicklung nehmen. Natürlich sind wir alle individuell verschieden, durch das „er-erbte“ Erbgut von unseren Eltern. Dennoch erben wir tonnenweise Erbgut und nur ein kleiner Teil davon wird genutzt. Ein großer Teil davon wurde vor ein paar Jahren als „DNA-Schrott“ bezeichnet und als unwichtig erachtet.

Wenn man den DNA Schalter finden kann, der Lungenkrebs erzeugen kann und diesen umlegt, dann ist die Krankheit besiegt. So war die Hoffung quer durch die Medizin. Nun hat sich herausgestellt, dass es so einfach nun doch wieder nicht geht; und das der DNA-Schrott eine große, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle spielt. Tatsächlich ist der Schrott nämlich kein Schrott, sondern nur ein inaktiver Abschnitt der DNA, der unter Umständen früher oder später wieder gebraucht wird. Es hat sich gezeigt, dass Bereiche im Erbgut über diese schon erwähnten 3 verschiedenen Wege deaktiviert werden oder eben auch wieder aktiviert werden kann.

Die genauen Auslöser dieser Aktivierung sind offensichtlich äußere Umstände. Den genauen Wirkmechanismus hat man noch nicht entdeckt. Und es ist auch weder geklärt, ob es einer oder mehrere sind und auch nicht ob es nur 3 Wege zur Aktivierung gibt oder derer viel mehr. Dadurch erhält unsere DNA eine gewaltige Steigerung der Wirkmöglichkeiten und die Erbe/Umwelt Diskussion ist stärker entfacht als je zuvor.

Können wir durch äußere Beeinflussung die DNA verändern und damit unsere Entwicklung zu jeder Zeit verändern?

Das ist die Gretchenfrage. Denn dann können wir Krankheiten besiegen – alle. Und dann können wir Mängel beseitigen: körperliche Nachteile und kosmetische Wünsche. Und dann können wir auch das Altern besiegen. Was bedeutet das? Ich schweife ab. Von dem wissenschaftlichen Gedanken in die Philosophie.

Zwei Forschungsergebnisse als Beispiel: Bei Rauchern wurden sehr viel mehr deaktivierte DNA-Sequenzen gefunden, als bei Nicht-Rauchern. Dummerweise erzeugen diese deaktivierten Erbgutabschnitte die „Killerzellen“, die diesen Krebs bekämpfen. Das könnte heißen, dass durch das Nikotin, das Wachstum dieser Gegenwehr, die im Genom verankert ist, verhindert ist und damit dem Krebs nichts mehr entgegen zu setzen ist. Dumm gelaufen für die Raucher.

Das zweite Beispiel lässt auch nachdenken: Eineiige Zwilling werden einseitig krank, also nur einer der beiden. Dafür gibt es einige Beweise. Bei Geburt ist die DNA absolut identisch, was man auch am Erscheinungsbild und am Verhalten von außen feststellen kann. Im Alter gibt es unterschiedlich aktivierte und deaktivierte Bereiche im Erbgut, die dann auch für die Krankheit des einen verantwortlich sind. Das kann nur durch äußere Einflüsse stattgefunden haben. Also sind es eindeutig die Umwelteinflüsse, die entscheiden, nicht nur, wenn überhaupt, unser Erbgut.

Das lässt mich – zum jetzigen Stand – zu folgendem Schluss kommen: Die Menschheit hat gelernt Krankheiten zu behandeln, indem man, wie bei einem defekten Computer, die Teile austauscht. Grafikkarte kaputt, dann bauen wir eine neue ein und können weiter arbeiten. Wir wissen sogar warum die Grafikkarte kaputt ist und können durch Maßnahmen die Überlastung verhindern und die nächste Grafikkarte hält länger. So ist es auch mit einem künstlichen Hüftgelenk oder einer Spenderniere.

Bei einem Computer entscheidet die Software was auf dem Bildschirm angezeigt wird und was auf dem Drucker ausgedruckt wird. Dabei werden die Programme im Speicher oder auf der Festplatte gespeichert.

Im Menschen scheint unser Genom der Speicher und die Festplatte zu sein und den Software Code fangen wir nun langsam an zu verstehen. Und so wie es aussieht ist der komplexer als bekannte Computersprachen. Vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass wir zunächst dachten, dass die DNA der Code sein – nun ist der zweite Code, der Code hinter dem Code aufgetaucht.

Viel Spaß beim Entschlüsseln.

Mittwoch, April 01, 2009

Big Brother inkognito.

Wird Orwells Vision wahr? Ja und Nein. Sie wird wahr, aber anders als Orwell oder irgendjemand sonst es vorher gesehen hat. Und dadurch ist sie keine Bedrohung mehr sondern ein Segen für die Zukunft.

Ältere (Ü30) Menschen haben damit ein Problem. Sie finden plötzlich Bilder von sich in einer Suchmaschine. Bilder, die einmal auf einer Website waren, die gar nicht mehr online ist. Tja, Pech gehabt. Das Web vergisst nichts, denn es gibt Webarchive, die sozusagen ständig ein „Photo“ vom Web machen und dann kann man es später wieder aufrufen. Da kann man nichts machen. Lamentieren, dass die Persönlichkeitsrechte verletzt werden sind lahm. Nützen nichts. Einen Anwalt beauftragen, der die Bilder per Klagenandrohung löschen lässt? Das geht. Noch. Aber wenn die Inhalte schon repliziert wurden und sind auf vielen oder viele Millionen Webseiten zu finden. Viel Spaß.

In einem Leserbrief beschwert sich Herr A.W. (ich respektiere die Privatsphäre), dass durch neue Photosoftware „meine biometrischen Daten zuerst Google und dann Flickr zur Verfügung gestellt werden. Teilweise sogar mit Standorten“.... „Jedes Partyfoto und jeder fremde Urlaubsschnappschuss auf dem ich (vielleicht versehentlich) abgebildet bin, verletzt meine Privatsphäre massiv.“ ... „Big Brother inkognito. Ich habe Angst“.

Lieber A.W. du brauchst keine Angst haben. Wenn du nicht in Thailand mit kleinen Mädchen erwischt wirst, weil zufällig ein Tourist einen Schnappschuss gemacht hat, auf dem du zufällig mit einer/einem Minderjährigen zu sehen bist, natürlich nur zufällig, dann brauchst du keine Angst haben. Es ist nicht Big Brother, der dich beobachtet, sondern die ganze Welt! Sofern sich, bitte, ich weiß ja nicht wie berühmt du bist, sofern sich also niemand für Dich interessiert ist es auch egal, wenn dein Bild in der ganzen Welt gesehen werden kann.

Und damit komme ich eigentlich zum Kern der ganzen Sache. Was interessiert mich ein Foto, auf dem ich per Software identifiziert werde und welches die ganze Welt sehen kann, wenn ich unschuldig in der Sonne sitze? Das ist doch nichts Neues. Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen, an Geldautomaten und auf Autobahnen, Flughäfen und Bahnhöfen können das schon lange. Die Verkehrskameras können das schon sehr lange. Und diese Fotos werden mir doch auch vorgelegt. Aber nur, wenn ich zu schnell war oder die Ampel zu rot. Eine grüne Ampel blitzt nicht und ein Urlaubsfoto wo ich zufällig auf dem Schnappschuss bin, zieht auch keine Strafe nach sich. Also, was ist das mit der Privatsphäre? Hast du was zu verbergen?

Big Brother, so wie Orwell es in seinem Buch geschildert hat, gibt es nicht. Wird es nie geben. Das war eigentlich schon 1984 vorbei, als Apple den Mac in dem spektakulären Super Bowl Spot vorgestellt hat. Heute ist das schlicht und einfach nicht mehr möglich und deshalb gibt es keinen Grund zur Sorge. Denn heute ist es eben nicht der Große Bruder, der uns überwacht, sondern potentiell 6 Milliarden kleine Brüder, gleichaltrige und ältere Brüder und Schwestern. Es gibt keinen Überwachungsstaat und wer sich fair, ehrlich und aufrichtig verhält, für den bietet die neue Welt mehr Vorteile als irgendwelche Nachteile.

Ich war 1990 auf der Liste Verdächtiger in einer Mordsache. Warum? Weil ich einer von 25.000 Leuten war, der einen bestimmten Wagentyp fuhren. Erfreulicher Weise wurde ich sofort ausgefiltert, weil ich durch meinen Pass belegen konnte, dass ich zur Tatzeit in Hawaii war. Was, wenn ich diesen Stempel nicht gehabt hätte? Kein Alibi? Speichelprobe und so weiter. Oder, was, wenn einer mich auf seinen Urlaubsfotos aufgeschnappt hätte, Bilderkennungssoftware mich in Internet gefunden hätte und der Aufnahmeort gleich mit in der Datei gespeichert gewesen wäre?

Gerade durch das Internet und durch die modernen Technologien ist Big Brother schon vor der Geburt gestorben. Ich trauere nicht um ihn.

Dienstag, März 31, 2009

Was ist das Problem?

Wenn ein Hersteller von Elektrogeräten feststellen muss, dass ein verärgerter Kunde in einer Besprechung auf einer Meinungswebsite sagt, seine Herdtür würde beim Selbstreinigungsprozess schmelzen, hat der Hersteller ein Qualitätsproblem, kein Problem mit den Besprechungen!

Seite 35 „Facebook, You Tube, Xing & Co.“ Von Charlene Li & Josh Bernoff

Montag, März 30, 2009

Die stärkste Kraft im Internet

„Die stärkste Kraft im Internet sind nicht die Anwälte oder die Unternehmen, sondern die Menschen. Und sie sind nicht immer bereit mitzuspielen. Dabei können sie sich auf Technology stützen. Die Medien sind nicht mehr ordentlich in kleine Kästen unterteilt, die Zeitungen, Magazine und Fernsehen heißen. Die Leute stellen Verbindungen zu anderen Leuten her und ziehen daraus Kraft, insbesondere als Masse.“
Seite 11 „Facebook, You Tube, Xing & Co.“ Von Charlene Li & Josh Bernoff

http://blogs.forrester.com/groundswell

Samstag, März 21, 2009

Öffentlich oder nicht?

Oder, warum verstehen die Etablierten, die Dinosaurier nicht, dass sie aussterben.

Das Internet verändert die Welt. So wie damals Gutenbergs austauschbare Drucktypen (entgegen der landläufigen Meinung hatte er nämlich nicht die Druckerpresse per se erfunden, sondern wieder verwendbare Drucklettern). Damals wurde es möglich Bücher zu drucken und das Monopol des Lesens wurde dem Klerus aberkannt. Die Folge: Die katholische Kirche ist seitdem dem Niedergang geweiht; die diktatorischen Strukturen bröckeln, die Folter ist vorbei. Warum? Weil man nun endlich verifizieren konnte, was von der Kanzel als alleinige Wahrheit propagiert wurde. Und wer verifizieren kann, wer Informationen hat, kann bessere Entscheidungen treffen. Allerdings erst, wenn die Gesetze es zulassen – selbstverständlich. Und auch das änderte sich. Zu viele Menschen kannten nun die Alternativen, weil sie in Büchern und später Zeitungen darüber lesen konnten und immer mehr wollten neue Gesetze. Irgendwann wurde die kritische Masse erreicht und die Gesetze geändert. Alles als Folge des besseren Informationsflusses.

Und heute stehen wir wieder an der Schwelle einer solchen Veränderung. Dieses Mal wird es sehr viel schneller gehen als zu Gutenbergs Zeiten. Information ist weltweit, zeitgleich und unlimitiert. Die Anzahl der Meinungen ist unbegrenzt und neue kritische Massen werden sich herausbilden, die keiner mehr kontrollieren kann. Die alte Elite versucht es, es wird nicht funktionieren. Die Zeit der Geheimnistuerei ist vorbei. Es ist besser, wenn ihr nun ehrlich und fair handelt, denn ihr werdet erwischt. Und damit meine ich alle, die gegen Moral, Fairness und Anstand handeln, die andere Menschen übervorteilen und sich auf Kosten anderer Bereichern. Alle, die nicht win-win spielen.

Warum habe ich mich spontan entschlossen diesen Post zu schreiben? Nun, ich habe einen Artikel über den Versuch der Geheimhaltung durch die Barclays Bank in England gelesen und musste lachen.

Die Tageszeitung The Guardian hatte interne Dokumente der Bank veröffentlicht, in denen die Strukturen beschrieben wurden, wie man für Kunden Steueroasen nutzen konnte, um englische Steuern zu sparen. Unglücklicher Weise wurde diese Information auf der Website der Zeitung veröffentlicht und die Bank klingelte einen Richter um 2 Uhr morgens aus dem Bett – versuche das mal als Karl Niemand – der einen einstweilige Verfügung erließ, die die Zeitung beorderte die Dokumente von der Website zu nehmen. Alte Eilte, wollte sich schützen und nutzt den Staat um Steuerverbrechen gegen eben diesen gleichen Staat zu vertuschen. Ein Witz in sich. Und die dumme Elite, wäre man nicht so borniert, so auf den Machterhalt fixiert, mit der neuen Welt schon vertraut, dann ..... aber so ....

Zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung hatten 127 Menschen die Website besucht. Dann musste der Guardian die Dokumente runter nehmen. Wikileak hatte sie aber schon kopiert und dann wurden sie innerhalb kürzester Zeit auf Duzenden von anderen Websites veröffentlicht. Und gerade durch das Verbot sind sie nun begehrt. Nun erscheinen Blogs, wie dieses, die darauf aufmerksam machen und die Geschichte wird wesentlich weiter verbreitet, als nur auf den Seiten des Guardian. Oh, pardon, dort wird sie ja gar nicht mehr verbreitet. Ich denke, dass es inzwischen mehr als 127 Leser sind.

Liebe Elite, ihr könnt einen Richter um 2 Uhr mitten in der Nacht aus dem Bett klingeln, ihr konntet den Staat betrügen und geschickte Täuschungsmanöver fahren, ihr konntet Milliarden scheffeln und dem kleinen Anleger das aus den Taschen ziehen, ihr konntet ....

Jetzt nicht mehr. Die Betonung liegt auf „konntet“. Jetzt habt ihr es immer mehr mit informierten Menschen zu tun, die sich das nicht mehr bieten lassen. Jetzt beginnt ein neues Zeitalter, das Zeitalter der informierten Masse. Beängstigend, nicht wahr. Gewöhnt euch dran. Es ist keine Krise in der wir sind, keine Wirtschaftskrise und keine Finanzkrise, es ist ein Reset, ein Neustart mit anderen Parametern, anderen Regeln und mit Vertuschen und Betrügen ist Schluss. Ihr werdet an Eueren Taten gemessen und an Eueren Lügen. Hört auf zu Lügen und zu Betrügen. Ihr werdet erwischt.