Entrepreneur – wat is dat dann?

Endlich ein Buch, was mit dem Irrglauben, dass es gewisser Ausbildung – Hochschulausbildung – bedürfe, um Unternehmer zu werden, aufräumt. Der Berliner Professor trifft es auf den Kopf, indem er den Unterschied zwischen einen MBA und einem Entrepreneur erläutert. Entrepreneur ist ein Begriff, der sich im Deutschen noch nicht so durchgesetzt hat, so wie MBA (Master of Business Administration). Wird er hoffentlich noch. Das ist den Deutschen zu wünschen. Das Modell hat viele Vorteile und fordert ein gewisses Umdenken. Ein Umdenken, welches weg vom dem Elitedenken führt und welches sicher seine Zeit in Deutschland braucht.
Um was geht es? Nun, wie der Name schon sagt ist der MBA ein Meister der Administration und daher als Unternehmer weniger geeignet. Wohl sollten Unternehmer einige von denen (Verwaltern) haben und die sollten das Unternehmen, eben, verwalten. Ein Entrepreneur hingegen ist einer, der eine Idee hat und diese Idee so leidenschaftlich ausspinnt und vertritt, dass er irgendwann aus dieser Idee ein Produkt schafft und dann, mit Hilfe von MBAs, ein Unternehmen hochzieht. Dabei muss der Entrepreneur diese MBAs gar nicht anstellen und bezahlen, sondern es geht auch mit outsourcen a la „the 4 hour work week“. Das heißt, man kann Leistungen einfach einkaufen, von Firmen, die genügend dieser MBAs bezahlen. Das haben wir alle schon viele Male gemacht, wenn wir zum Beispiel einen Brief versandt haben. Der Transport geschah wie von selbst, nachdem wir eine Briefmarke aufgeklebt hatten und den frankierten Brief bei einen Postamt abgegeben hatten. Warum nicht dieses Outsourcen sehr viel weiter fassen und mit entsprechenden Dienstleistern zusammenarbeiten, sodass der Entrepreneur sich im Wesentlichen auf seinen Idee konzentrieren kann.
Dies bringt unter anderem den Vorteil, dass man als Entrepreneur mit ganz wenig Kapital starten kann und vor allen Dingen, dass man kein Studium braucht, um Unternehmer zu werden. Hui ... das bricht ja mit allem was dem Deutschen auf der Schule eingebläut wird. Gefährlich und das darf nicht sein. Faltin bringt einige Beispiele in dem Buch und diese sind zum Teil recht unterhaltsam. In einen Fall berichtet er, wie ein euphorischer junger Mann seine ganze Euphorie verlor und von der Gründungsberatung gemein ausgestoppt wurde. In einem anderen Fall, folgte der Gründer den Richtlinien und gab auf als er an der Bilanzanalyse scheiterte.
Aufgemerkt: Bilanzanalyse muss ein MBA können, der muss aber nicht und kann in der Regel auch nicht „Unternehmertum“. Er ist Verwalter. So steht es genau in seinem Abschluss. Entrepreneure brauchen keine Bilanzanalyse, sonder nur eine Idee, die sie leidenschaftlich verteidigen, alles daran setzen sie zu verwirklichen und hartnäckig den besten Weg dafür suchen.
Ich finde diese durchaus zutreffende und richtige Analyse großartig. Ich selber habe mich nie benachteiligt gefühlt, weil ich keinen MBA hatte, aber ich weiß, dass die meisten Menschen denken, ohne ein Studium können sie kein Unternehmer sein. Ganz im Gegenteil: wenn man die größten Unternehmen der Welt ansieht, dann waren es in den allerwenigsten Fällen MBAs, die diese gegründet hatten. Oft genug waren es im Gegenteil Schulabgänger: Apple, Microsoft, Oracle.
Also Schule abbrechen und Unternehmer werden? Nein: denken und nicht verwalten, Lösungen durchdenken, ohne sich an die Konventionen zu halten. Ein MBA kann auch Entrepreneur sein – aber auch einer ohne MBA oder gar ohne Hochschulabschluss, oder ganz ohne Schulabschluss kann ein Entrepreneur sein. Und ein erfolgreicher noch dazu.
Faltin trifft es bestens, als es seine Erkenntnisse mit den Erfahrungen von Yunus vergleicht: „Jeder hat das Zeug zum Entrepreneur. Wenn sogar islamische Frauen unter extrem ungünstigen Bedingungen Entrepreneure werden können, sollte man erwarten, dass dies auch bei uns möglich ist“ (s. 184).
Ich hoffe dass die Politiker irgendwann Entrepreneurship in der Schule lernen und dass diese alte eingefahrene Denke irgendwann verschwindet. Nur dann kann sich Deutschland – und auch andere Staaten – von einer Lohnsklaven Nation zu einer freien Denkerwelt entwickeln und der Wohlstand kann weiter wachsen, die Zufriedenheit steigen und der soziale Frieden dauerhaft gesichert werden.
Faltin ist ein gutes Buch gelungen und ich finde es schade, dass ich es nur zufällig gefunden habe. Ich finde, dass es Pflichtlektüre in der Schule sein sollte – aber ich denke, dass er wesentlich besseres Marketing für ein Buch leisten könnte – das fängt beim Titel und beim Umschlag an. Es gibt eigentlich nur ein Buch, was von einem deutschen Verlag noch schlechter vermarktet wurde. Das ist das must-read von Jeff Jarvis: „Was würde Google tun“. Hier die beiden Cover – entscheidet selbst.




